Comparative Guts

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Comparative
Guts

Guido da Vigevano’s Anatomie, Abbildung 8 Die Seite aus einem Buch zeigt die Illustration eines menschlichen Körpers. In der linken oberen Ecke ist sie mit einem kurzen lateinischen Text versehen. Die Seite ist Bestandteil einer Serie von insgesamt 17 Abbildungen, die die Anatomie des Menschen zeigen. Die Zeichnung ist in schwarz-weiß ausgeführt. Der Umriss des Körpers tritt als markante schwarze Linie hervor. Knochen und Gelenke sind in Grautönen dargestellt, die inneren Organe bleiben weiß. Die Arme und Beine erscheinen sehr dünn, Muskeln oder Sehnen sind nicht abgebildet. Erkennbar sind die Gelenke der Hände, des Ellenbogens, der Schultern, der Hüfte, der Knie und der Füße sowie die Schlüsselbeine. Finger und Zehen wurden lediglich angedeutet. Auf dem Hals sitzt der Kopf mit einem ausgearbeiteten Gesicht, Ohren und kurzen gelockten Haaren. Das Gesicht ist rund, die Augen sind geschlossen, die Mundwinkel weisen nach unten. In der Bauchhöhle sind die Umrisse der Verdauungsorgane hervorgehoben. Die Flächen neben den Organen sind grau und dunkelgrau schraffiert. Wie ein breites helles Band zieht sich das Zwerchfell über die Brusthöhle. Von oben führt die Speiseröhre wie ein dünner Schlauch nahezu gerade vom Hals abwärts in den zwiebelförmig dargestellten Magen. Dabei durchstößt sie das Zwerchfell. Der Darm, der in Schlingen die untere Fläche der Bauchhöhle füllt, beginnt rechts neben dem Magen. Der Text in lateinischer Sprache beginnt auf Kopfhöhe der Zeichnung und zieht sich in kurzen Zeilen bis auf Höhe des Oberarms der Illustration. Er ist in kräftigen verschnörkelten Buchstaben geschrieben. — — Guido da Vigevano's Anatomy, Figure 8 This page from a book shows an illustration of a human body. It is accompanied by a short Latin text in the upper left corner. The page is part of a series of 17 illustrations altogether demonstrating human anatomy. The drawing is executed in black and white. The outline of the body stands out because of its prominent bold black line. The bones and joints are depicted in shades of grey, the internal organs remain white. The arms and legs appear very thin. Muscles or tendons are not depicted. The joints of the hands, elbow, shoulders, hips, knees, and feet, as well as the collarbones, are recognisable. Fingers and toes have only been indicated. On top of the neck, is the head with a detailed face, ears, and short curly hair. The face is round, the eyes are closed, and the corners of the mouth point downwards. In the abdominal cavity, the outlines of the digestive organs are bolded and emphasised. The areas next to the organs are hatched in grey and dark grey. The diaphragm stretches across the thoracic cavity like a wide light band. From above, the oesophagus runs like a thin tube almost straight down from the neck into the onion-shaped stomach. In doing so, it pierces the diaphragm. The intestine, which fills the lower surface of the abdominal cavity in loops, begins to the right of the stomach. The Latin text in the upper left corner begins at the level of the figure’s head and continues in short lines up to the level of the figure’s upper arm. It is written in bold squiggly letters.
Die Leitbahn von der Hand zum Herzen Die aufgeschlagenen Seiten des Buches aus dem 17. Jahrhundert zeigen neben einer Vielzahl gruppierter und einzelner chinesischer Schriftzeichen zwei Abbildungen. Text, Beschriftung und Darstellungen sind in Schwarz-weiß gehalten. Eine kräftigere Linie grenzt den Inhalt von den Seitenrändern ab. Links auf der Doppelseite bilden die vertikal verlaufenden Schriftzeichen ein Textfeld, das bis zur Hälfte des Blattes reicht. Je drei Zeilen führen am linken und rechten Rand weiter bis in die untere Hälfte hinab. Dazwischen befindet sich der obere Teil einer Herzzeichnung. Ihr unterer Teil füllt den Rest der Seite. Das Herz liegt im Zentrum der Skizze. Ein Schriftzeichen, größer als die übrigen, prangt in seiner Mitte. Vom Herzen gehen vier Verbindungen ab, die wie Schläuche dargestellt sind. Ein breiter Schlauch führt senkrecht nach oben zwischen die Textzeilen. Seine obere Hälfte ist mit Querstrichen versehen. Eine Beschriftung aus fünf untereinander stehenden Zeichen ist links daneben erkennbar. Die drei anderen Schläuche führen bogenförmig nach unten. Jedes Ende ist mit zwei Schriftzeichen versehen. Die rechte Doppelseite zeigt die Umrisse einer männlichen Figur in einem Umhang, der bis über die Knöchel reicht. Die Falten des Stoffes erscheinen als dünne leicht gewellte Linien. Der Mann hat ein breites Gesicht, gelockte Haare und einen Vollbart. Der rechte Arm ist im 45°-Winkel ausgestreckt, die Handfläche weist nach vorn. Mit der linken Hand greift er sich an den rechten Oberarm. Von der Achselhöhle bis zum kleinen Finger verläuft die Herzleitbahn. Sie erscheint als dünne, etwas geschwungene Linie. Darauf verweisen neun kleine Ringe auf Akkupunkturpunkte. Diese sind hier mit je zwei Schriftzeichen markiert. Am rechten oberen Rand verlaufen Schriftzeichen vertikal bis zur Mitte des Blattes. Zhang Jiebin, gestorben 1640, war Arzt und Schriftsteller. Die Holzschnittausgabe, aus der diese Seiten stammen, wird in der Harvard Yenching Library der Harvard University in den USA aufbewahrt. — — The Guiding Path from the Hand to the Heart The open pages of a 17th century book show two illustrations in addition to a multitude of grouped and individual Chinese characters. The text, inscription, and illustrations are in black and white. A bold line delimits the content from the page margins. On the left of the double-page spread, the vertically running characters form a text field that extends halfway down the page. Three lines each continue down the left and right margins to the lower half. Between them is the upper part of a heart drawing. Its lower part fills the rest of the page. The heart is in the centre of the sketch. A character, larger than the rest, is emblazoned in its centre. Four connections branch off from the heart, depicted like tubes. A wide tube leads vertically upwards between the lines of text. Its upper half is marked with horizontal lines. An inscription consisting of five characters one below the other is visible to the left. The other three tubes lead downwards in an arc. Each end is marked with two characters. The right double page shows the outline of a male figure in a cloak that reaches above the ankles. The folds of the fabric appear as thin slightly wavy lines. The man has a broad face, curly hair, and a full beard. His right arm is stretched out at a 45-degree angle, the palm facing forward. With his left hand, he grasps his right upper arm. The cardiac conduction pathway runs from the armpit to the little finger. It appears as a thin, somewhat curved line. On it, nine small rings refer to acupuncture points. These are marked here with two characters each. On the upper right margin, characters run vertically to the centre of the sheet. Zhang Jiebin, who died in 1640, was a physician and writer. The woodblock edition from which these pages are taken is preserved in the Harvard Yenching Library at Harvard University in the USA.
Eine weibliche Figur mit offenem Torso Die bräunlich-graue Statue ohne Kopf wurde 1885 in Mittelitalien, südöstlich von Rom ausgegraben. Sie stammt aus der Zeit zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert vor Christus. Die Figur aus Terrakotta ist 26,5 Zentimeter hoch. Neben dem Kopf fehlen die linke Schulter und die Füße. Trotz des Verlustes dieser Körperteile lässt sich eine aufrechte Haltung erkennen. Die Frauengestalt scheint auf ihrem rechten Bein zu stehen, das linke ist etwas angewinkelt. Der rechte Arm hängt am Körper herab, vom linken ist der Unterarm erhalten, der in die Hüfte gestützt ist. Der Torso ist in ein fließendes knöchellanges Gewand gehüllt. An der Schulter, um die Hüften und zum Knöchel hin ist es üppig gefaltet. Der rechte Arm ist bis zum Ellenbogen bedeckt. Ein vertikal verlaufender ovaler Ausschnitt zieht sich vom Brustbein bis zur Scham. Darin sind die inneren Organe sichtbar. Ein senkrecht stehender Quader unterhalb des Brustbeins bezeichnet das Herz. Ein würfelförmiges Gebilde darunter stellt den Magen dar. An der breitesten Stelle, in der Mitte des Ausschnitts, befindet sich der waagerecht verlaufende Darm. Seine senkrecht angeordneten Schlingen füllen das gesamte Zentrum aus. Unterhalb des Darms liegen weitere Organe wie die Nieren. Die Statue war vermutlich eine Opfergabe, verbunden mit der Heilung erkrankter Organe oder stand im Zusammenhang mit dem Wunsch nach Fruchtbarkeit. — — A Female Figure with an Open Torso This brownish-grey statue without a head was excavated in 1885 in central Italy, southeast of Rome. It dates from the period between the 4th and 2nd centuries BC. The terracotta figure is 26.5 centimetres high. Besides the head, the left shoulder and the feet are also missing. Despite the loss of these body parts, an upright posture can be discerned. The female figure appears to be standing on her right leg and the left leg is slightly bent. The right arm hangs down the body, and the forearm of the left arm is preserved, supported on the hip. The torso is wrapped in a flowing ankle-length robe. It is luxuriantly folded at the shoulder, around the hips and towards the ankle. The right arm is covered up to the elbow. There is a vertical oval-shaped cutout that runs from the breastbone to the pubic region. The internal organs are visible within it. There is a vertically upright cuboid below the sternum indicating the heart. A cube-shaped structure below it indicates the stomach. There is a horizontally running intestine in the middle of the cutout at its widest point. Its vertically arranged loops fill the entire centre. Below the intestine are other organs such as the kidneys. It is probable that the statue was a votive offering associated with the healing of diseased organs or was related to the desire for fertility.
Milz und Magen Auf dem schmalen Hochformat sind am oberen Bildrand über einer Schwarz-Weiß-Zeichnung drei chinesische Schriftzeichen angebracht. Die Schriftzeichen lassen sich als Überschrift lesen. Sinngemäß übersetzt lautet sie: „Diagramm der Milz.“ Die Zeichnung in der unteren Bildhälfte stellt die Körpermitte mit Magen, Milz und Darm dar. Sie ist mit kräftigen schwarzen Strichen ausgeführt. Für den Magen steht eine Kreisform, deren Umriß auf zwölf Uhr unterbrochen ist. Dort setzen zwei kurze senkrechte Linien an. Im inneren des Kreises befindet sich das Schriftzeichen für „Magen“, darunter sind zwei leicht nach unten gewölbte Linien gezeichnet. Unterhalb des Magens schließt sich eine horizontal liegende sichelförmige Fläche an, die den Magen nahezu umschließt. Sie ist mit dem Schriftzeichen für „Milz“ versehen. Unterhalb der Milz befindet sich ein schalenförmiges Gebilde, welches für den Darm oder die Verdauung stehen könnte. Sein Umriß ist auf sechs Uhr unterbrochen. Zwei kurze Linien weisen von dort zum unteren Bildrand. In seinem Inneren sind links und rechts je zwei leicht nach unten gewölbte Linien angebracht. Der Magen erhält Nahrung, während die Milz für die Verdauung von Nahrung verantwortlich ist, so Aufzeichnungen aus dem Korea des frühen 17. Jahrhunderts. — — Spleen and Stomach The photo shows a black-and-white drawing in a narrow and portrait format. Three Chinese characters are at the top of the photo. The characters can be read as a heading. Translated meaningfully, it reads: "Diagram of the spleen." The drawing in the lower half of the picture represents the middle of the body with the stomach, spleen, and intestine. It is executed with bold black lines. The stomach is represented by a circular shape whose outline is interrupted at twelve o'clock. Two short vertical lines start there. Inside the circle is the character for “stomach,” below which two lines curving slightly downwards are depicted. Below the stomach is a horizontal crescent-shaped area that almost encloses the stomach. It is marked with the character for “sleep.” Below the spleen is a bowl-shaped structure, which could represent either the intestine or digestion. Its outline is interrupted at six o'clock. Two short lines point from there to the lower edge of the photo. Inside this bowl-shaped structure, there are two slightly downward curved lines depicted on the left side and the right side. According to the records from early 17th century Korea, the stomach receives nourishment while the spleen is responsible for digesting food.

Exploring the Inside of the Body
through Time and Space

This is a comparative exhibition about the human body, and in particular about one body part, the ‘guts’. For these purposes, ‘guts’ refers to everything found inside the lower torso, the organs and parts traditionally linked to nutrition and digestion, but also endowed with emotional, ethical, and metaphysical significance, depending on the representation and narrative.

By offering access to culturally, socially, historically, and sensorially different experiential contexts, Comparative Guts allows the visitor a glimpse into the variety and richness of embodied self-definition, human imagination about our (as well as animal) bodies’ physiology and functioning, our embodied exchange with the external world, and the religious significance of the way we are ‘made’ as living creatures. This dive into difference is simultaneously an enlightening illustration of what is common and shared among living beings.

The ‘guts’ are treated here in as neutral and universal a fashion as possible: not necessarily as functional parts of an organism or as a medical item, but as realities experienced in various ways. The most basic distinction is the sensed, volumetric one: solids for the fleshy organs (such as those referred to in English as the liver and the stomach), coils for the intestines and other parts endowed with complexity, folds, and fluidity, and wholes for the guts understood as part of a coherent whole, be it continuous or assembled.