Comparative Guts

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Comparative
Guts

Kanopengefäß mit der Darstellung der Gottheit Qebehsenuef Vor grauem Hintergrund ist ein schlankes vasenähnliches Gefäß aus hellem Kalkstein mit Verschluss abgebildet. Auf seiner Vorderseite ist es mit Hieroglyphen in schwarz beschriftet. Das schmale Foto im Hochformat zeigt eine Kanope aus Ägypten. Sie ist im Zeitraum zwischen 818 und 525 vor Christus datiert. Als Kanopen, Kanopenkrüge oder auch Kanopenvasen werden in der Ägyptologie die Gefäße bezeichnet, in denen bei der Mumifizierung die Eingeweide separat vom Leichnam beigesetzt werden. Die auf dem Foto abgebildete Kanope misst 30,5 Zentimeter in der Höhe und hat einen Durchmesser von 12,8 Zentimetern. Das Gefäß verbreitert sich leicht von unten nach oben und bildet dort eine Rundung, ähnlich der Rundungen bei Schultervasen. In seiner Öffnung steckt ein steinener Falkenkopf wie ein Korken. Der Vogelkopf hat eine nahezu rechteckige Form, der kurze gekrümmte Schnabel zwischen den hervortretenden Augen ist schwarz gefasst. Der Falke steht für die Gottheit Qebehsenuef. Er war einer der vier Horus-Söhne und Kanopengötter, die di mumifizierten Eingeweide beschützen. Als seine Eltern galten der Gott Horus der Ältere und die Göttin Isis. Die Hieroglyphen verlaufen in einer senkrechten Linie von der Öffnung bis zum Fuß vorn am Gefäßkörper herab. Unter den Schriftzeichen finden sich einige, die an Zeichnungen von Tieren erinnern, wie ein ägyptischer Geier oder ein Entenküken. Weiteres Zeichen stellen zwei Schilfstängel nebeneinander und einen Türriegel dar. Die Oberfläche der Kanope ist mit schmalen Rillen und Kratzern überzogen, die als Spuren der Bearbeitung oder des Gebrauchs gedeutet werden können. — — Canopic Vessel Depicting the Deity Qebehsenuef A slender vase-like vessel made of light-coloured limestone with a stopper is depicted against a grey-coloured background. On its front, it is inscribed with hieroglyphics in black. The narrow photo in portrait format shows a canope from Egypt. It is dated between 818 and 525 BC. In Egyptology, canopic jars or canopic vases are the vessels in which the entrails are buried separately from the corpse during mummification. The canopic jar shown in the photo measures 30.5 centimetres in height and has a diameter of 12.8 centimetres. The vessel widens slightly from the bottom to the top, where it forms a curve similar to the curves of shoulder vases. A stone falcon's head is stuck in its opening like a cork. The bird's head has an almost rectangular shape, and the short, curved beak between the protruding eyes is set in black. The falcon represents the deity Qebehsenuef. He was one of the four sons of Horus and canopic gods protecting the mummified entrails. His parents were considered to be the god Horus the Elder and the goddess Isis. The hieroglyphs run down the body of the vessel in a vertical line from the opening to the foot at the front. Among the characters are some that resemble drawings of animals, such as an Egyptian vulture or a duckling. Other characters represent two reed stalks side by side and a door latch. The surface of the canopic is covered with narrow grooves and scratches, which can be interpreted as traces of workmanship or use.
Anatomische Malerei aus Indien Die farbig gestaltete Seite aus einem Manuskript ist über und über mit Schriftzeichen in Sanskrit und Gujarati bedeckt. Die Schriftzeichen umfließen die Zeichnung eines Menschen. Innerhalb seines Körpers treten dünne rote Linien hervor. Die Darstellung des Menschen steht im Zentrum des Blattes. Seine Umrisse sind in dünnen schwarzen Linien ausgeführt. Der Oberkörper ist aufgerichtet. Die Füße sind etwas mehr als hüftbreit auseinandergestellt und die Knie im 90°-Winkel gebeugt. Die Hände sind auf den Oberschenkeln abgestützt. Die Ellenbogen weisen nach außen. Im runden Gesicht treten die Augenbrauen als kräftige schwarze Bögen hervor. Zwischen ihnen ist in Rot eine Blüte gezeichnet. Sie steht für ein Chakra. Schriftzeichen führen von dort über den Nasenrücken bis zur Nasenspitze. Diese weist wie ein Pfeil auf den kleinen Mund. Von den mandelförmigen Augen mit den schwarzen Pupillen ziehen sich mehrere rote Linien zu den Wangen, wo sie sich mit anderen roten Linien vereinigen. Anstelle von Haaren verlaufen Schriftzeichen in zwei Reihen über den Kopf. Schwächer und stärker geschriebene Schriftzeichen erscheinen auch an anderen Stellen des Körpers, beispielsweise im Schulterbereich, um die Verdauungsorgane herum und an den Füßen. Sie markieren unter anderem das System der sechs Chakren. Kinnabwärts führt die Speiseröhre in den als ein vertikales Oval dargestellten Magen. Magen und Speiseröhre sind in Ockergelb gezeichnet. Der mit einer dicken grauen Linie umrandete Darm schlingt sich zum After. Über den gesamten Körper verlaufen dünne rote Linien, die sich verzweigen und verästeln. Unterhalb der Zeichnung des menschlichen Körpers sind mehrere mythische Tiere in einem Kreis dargestellt, zum Beispiel eine Schildkröte und eine Schlange. Diese Handschrift aus Westindien lässt sich zeitlich nicht endgültig einordnen. Für seine Anfertigung wird die Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert und 1900 vermutet. — — Anatomical Painting from India The colorful page from a manuscript is covered all over with characters in Sanskrit and Gujarati. The characters flow around the drawing of a human being. Within the body, thin red lines emerge. The depiction of the human being is in the centre of the page. The outline is executed in thin black lines. The upper body is erect. The feet are slightly more than hip-width apart and the knees are bent at a 90-degree angle. The hands are supported on the thighs. The elbows point outwards. In the round face, the eyebrows stand out as strong black arches. Between the eyebrows, a flower is drawn in red. It represents a chakra. There are characters that lead from the flower, along the nose bridge, to the tip of the nose, which resemble an arrow pointing toward a small mouth. Several red lines extend from the eyes across the cheeks, where they merge with other red lines. The eyes are almond-shaped with black pupils. Instead of hair, characters run in two rows across the head. Fainter and stronger written characters also appear elsewhere on the body, for example in the shoulder area, around the digestive organs and on the feet. Among other things, they mark the system of the six chakras. Down the chin, the oesophagus leads into the stomach, which is depicted as a vertical oval. The stomach and oesophagus are drawn in ochre yellow. The intestine, outlined with a thick grey line, loops towards the anus. Thin red lines run across the entire body which branch out and spread. Below the drawing of the human body, several mythical animals are depicted in a circle, for example, a turtle and a snake. This manuscript from West India cannot be definitively dated. It is assumed to have been made between the 18th century and 1900.
Eine weibliche Figur mit offenem Torso Die bräunlich-graue Statue ohne Kopf wurde 1885 in Mittelitalien, südöstlich von Rom ausgegraben. Sie stammt aus der Zeit zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert vor Christus. Die Figur aus Terrakotta ist 26,5 Zentimeter hoch. Neben dem Kopf fehlen die linke Schulter und die Füße. Trotz des Verlustes dieser Körperteile lässt sich eine aufrechte Haltung erkennen. Die Frauengestalt scheint auf ihrem rechten Bein zu stehen, das linke ist etwas angewinkelt. Der rechte Arm hängt am Körper herab, vom linken ist der Unterarm erhalten, der in die Hüfte gestützt ist. Der Torso ist in ein fließendes knöchellanges Gewand gehüllt. An der Schulter, um die Hüften und zum Knöchel hin ist es üppig gefaltet. Der rechte Arm ist bis zum Ellenbogen bedeckt. Ein vertikal verlaufender ovaler Ausschnitt zieht sich vom Brustbein bis zur Scham. Darin sind die inneren Organe sichtbar. Ein senkrecht stehender Quader unterhalb des Brustbeins bezeichnet das Herz. Ein würfelförmiges Gebilde darunter stellt den Magen dar. An der breitesten Stelle, in der Mitte des Ausschnitts, befindet sich der waagerecht verlaufende Darm. Seine senkrecht angeordneten Schlingen füllen das gesamte Zentrum aus. Unterhalb des Darms liegen weitere Organe wie die Nieren. Die Statue war vermutlich eine Opfergabe, verbunden mit der Heilung erkrankter Organe oder stand im Zusammenhang mit dem Wunsch nach Fruchtbarkeit. — — A Female Figure with an Open Torso This brownish-grey statue without a head was excavated in 1885 in central Italy, southeast of Rome. It dates from the period between the 4th and 2nd centuries BC. The terracotta figure is 26.5 centimetres high. Besides the head, the left shoulder and the feet are also missing. Despite the loss of these body parts, an upright posture can be discerned. The female figure appears to be standing on her right leg and the left leg is slightly bent. The right arm hangs down the body, and the forearm of the left arm is preserved, supported on the hip. The torso is wrapped in a flowing ankle-length robe. It is luxuriantly folded at the shoulder, around the hips and towards the ankle. The right arm is covered up to the elbow. There is a vertical oval-shaped cutout that runs from the breastbone to the pubic region. The internal organs are visible within it. There is a vertically upright cuboid below the sternum indicating the heart. A cube-shaped structure below it indicates the stomach. There is a horizontally running intestine in the middle of the cutout at its widest point. Its vertically arranged loops fill the entire centre. Below the intestine are other organs such as the kidneys. It is probable that the statue was a votive offering associated with the healing of diseased organs or was related to the desire for fertility.
1597 Nachdruck von Wanbing huichun "Umriss des menschlichen Seitenkörpers" Die Abbildung zeigt eine Druckgrafik aus einem Nachdruck des chinesischen Medizinklassikers aus dem 16. Jahrhundert: „Wan bing hui chun“. Dies bedeutet wörtlich übersetzt: „10.000 Krankheiten, den Frühling zurückholen“, also: „Erfolgreiche Behandlung aller Krankheiten“. Der hochformatige Druck in schwarz-weiß zeigt die Seitenansicht eines männlichen Oberkörpers mit Kopf und ohne Extremitäten. Die Darstellung füllt nahezu den gesamten Bildraum, der von einem Rahmen aus zwei schnurgeraden Strichen eingefasst ist. Am rechten Rand des Blattes verlaufen im oberen Drittel in zwei vertikalen Reihen chinesische Schriftzeichen. Der birnenförmige Umriss von Körper und Kopf ist in einer durchgehenden Linie vom Steißbein über den Kopf bis zum Bauch ausgeführt. Darin sind die Wirbelsäule und die inneren Organe angeordnet. Das Gesicht mit Auge, Nase, Ohr und Mund ist von außen dargestellt. Links verläuft die Wirbelsäule. Sie erinnert an eine grobgliedrige Kette, deren Glieder aus rechteckigen Elementen bestehen, die durch eine schmale Röhre verbunden sind. Diese Röhre mündet oben in das Gehirn. Ihr unteres Ende bildet das Steißbein, was durch vier kleine Kreise zu ihren beiden Seiten kenntlich gemacht ist. Im Hals führt eine kurze Röhre zu schuppenförmig angeordneten nach unten gerichteten blattähnlichen Formen, die die Lunge darstellen. Zwischen dieser Röhre und der Wirbelsäule führt eine dritte Röhre zu den weiteren Organen, die wie kleine Säcke erscheinen. Jedes Organ ist mit Schriftzeichen versehen. Meist ist die Beschriftung innerhalb des Umrisses angebracht, an anderen Stellen, wie zum Beispiel der Wirbelsäule auch außerhalb. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert führten Jesuiten Bücher über chninesische Medizin in Europa ein. Die hier beschriebene Abbildung aus „Wan bing hui chun“ ist ein Beispiel dafür. — — 1597 Reprint of Wanbing Huichun “Outline of the Human Side Body” The photo shows a print graphic of a reprint of the 16th-century Chinese medical classic: “Wan bing hui chun.” This literally translates to “10,000 diseases, bring back spring”, in other words: “successful treatment of all diseases.” The portrait format print in black and white shows a side view of a male torso with a head but no extremities. The depiction of the male figure fills almost the entire space of the photo, which is framed by two dead-straight lines. On the right edge and upper third of the page, characters run in two vertical rows. The pear-shaped outline of the body and head is executed in a continuous line from the coccyx, over the head, to the abdomen. The spine and the internal organs are arranged within this outline. The depiction of the face with an eye, nose, ear, and mouth is shown from an exterior perspective. The spinal column is on the left. It is reminiscent of a coarse-linked chain whose links consist of rectangular elements connected by a narrow tube. This tube opens into the brain at the top. Its lower end forms the coccyx, which is indicated by four small circles on either side of it. In the neck, a short tube leads to scaly and downward-pointing leaf-like shapes that represent lungs. Between this tube and the spine, a third tube leads to the other organs, which appear like small sacks. Each organ is labelled with characters. The lettering is generally placed within the outline of the body and head. In some other places, such as the spine, it is placed outside of the outline. In the second half of the 17th century, Jesuits introduced books on Chinese medicine to Europe. The illustration from "Wan bing hui chun" described here is an example.

Exploring the Inside of the Body
through Time and Space

This is a comparative exhibition about the human body, and in particular about one body part, the ‘guts’. For these purposes, ‘guts’ refers to everything found inside the lower torso, the organs and parts traditionally linked to nutrition and digestion, but also endowed with emotional, ethical, and metaphysical significance, depending on the representation and narrative.

By offering access to culturally, socially, historically, and sensorially different experiential contexts, Comparative Guts allows the visitor a glimpse into the variety and richness of embodied self-definition, human imagination about our (as well as animal) bodies’ physiology and functioning, our embodied exchange with the external world, and the religious significance of the way we are ‘made’ as living creatures. This dive into difference is simultaneously an enlightening illustration of what is common and shared among living beings.

The ‘guts’ are treated here in as neutral and universal a fashion as possible: not necessarily as functional parts of an organism or as a medical item, but as realities experienced in various ways. The most basic distinction is the sensed, volumetric one: solids for the fleshy organs (such as those referred to in English as the liver and the stomach), coils for the intestines and other parts endowed with complexity, folds, and fluidity, and wholes for the guts understood as part of a coherent whole, be it continuous or assembled.