Comparative Guts

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Comparative
Guts

Das sezierte Pferd — Die horizontal ausgerichtete Bildrolle aus dem 15. Jahrhundert zeigt neben japanischen Schriftzeichen im linken Drittel eine Abfolge von Pferdedarstellungen. Die Farbigkeit orientiert sich an den fünf Wandlungsphasen bzw. fünf Elementen der chinesischen Medizin, wobei hier für die Farbe Grün Grau eingesetzt wurde. Gelesen wurden derartige Bildrollen von rechts nach links. So startet dieses Dokument auf der rechten Seite mit einem Schriftzeichen auf hellem Untergrund, dessen Farben Schwarz, Weiß, Gelb, Grau und Rot für die fünf Elemente stehen. Dem folgt nach links ein Turm, dessen Fuß ein gelbes Rechteck bildet, darüber befinden sich ein schwarzer Kreis, eine rote hutähnliche Form, eine weiße Schale und eine graue Kugelform. Jedes Element ist mit einem Schriftzeichen bezeichnet. Nach links schließen sich die Darstellung eines männlichen Kopfes mit dem Ansatz eines um die Schultern liegenden Gewandes und eine geöffnete Hand mit nach oben gerichteten Fingern an. Die meisten Leser aus ostasiatischen Ländern würden den Kopf des Mannes als Buddha erkennen. Dem folgen drei Zeichnungen von Pferden, beginnend mit einer Seitenansicht in Schwarz-Weiß. Die sich nach links anschließende Darstellung lässt den Betrachtenden von oben auf das Tier blicken. Hier sind innere Organe in den Farben der fünf Elemente markiert und mit Schriftzeichen versehen. Das letzte Drittel der Darstellung eines Pferdes zeigt wieder eine Seitenansicht. Diesmal, diese ist farbig ausgeführt, wiederum in den Farben Schwarz, Grau, Gelb, Weiß und Rot. Zwischen den farbigen Zeichnungen befindet sich eine Art Legende. In ihr sind jeweils drei Organe einer Farbe der fünf Elemente zugeordnet und beschriftet. Fünf dünne rote Linien durchziehen die bildlichen Darstellungen. Sie führen von den Farben im Schriftzeichen auf dem rechten Teil der Bildrolle über zentrale Punkte in allen Zeichnungen und enden in der farbigen Seitenansicht des Pferdes. Im linken Drittel der Bildrolle sind schwarze japanische Schriftzeichen in mehreren Spalten positioniert. Bildrollen konnten einige Meter lang sein. —— The Dissected Horse — This horizontally formatted scroll from the 15th century depicts Japanese characters in the left-third portion of the scroll, followed by a sequence of horse depictions. The colours are based on the five phases of change or five elements of Chinese medicine, whereby grey was used here in lieu of the colour green. Scrolls, such as this one, were read from right to left. Thus, this document begins on the right with a character on a light background, whose colours (black, white, yellow, grey, and red) stand for the five elements. This is followed to the left by a tower whose base forms a yellow rectangle, stacked above which are a black circle, a red hat-like shape, a white semi-circle, and a grey spherical shape. Each element of the tower is inscribed with a character. To the left of the tower is a depiction of a male head with the base of a robe around his shoulders and an open hand with fingers pointing upwards. Most readers of East Asian countries would recognize the man's head as the Buddha. This is followed by three drawings of horses. The first drawing depicts the side view of a horse in black and white. To its left, the next drawing depicts the horse from an above viewpoint. Here, internal organs are marked in the colours of the five elements and inscribed with characters. The final and third drawing depicts another side view of a horse. However, this time in colour (black, grey, yellow, white, and red). Between the coloured drawings is a kind of legend. In it, three organs in each colour of the five elements are assigned and labelled. Five thin red lines run throughout all the pictorial representations. The red lines lead from the colours in the character on the right portion of the scroll, through central points in all the drawings throughout the scroll and end in the final side view of the coloured horse. In the left-third portion of the scroll, black Japanese characters are positioned in several columns. Image scrolls could be several metres long.
Anatomische Malerei aus Indien Die farbig gestaltete Seite aus einem Manuskript ist über und über mit Schriftzeichen in Sanskrit und Gujarati bedeckt. Die Schriftzeichen umfließen die Zeichnung eines Menschen. Innerhalb seines Körpers treten dünne rote Linien hervor. Die Darstellung des Menschen steht im Zentrum des Blattes. Seine Umrisse sind in dünnen schwarzen Linien ausgeführt. Der Oberkörper ist aufgerichtet. Die Füße sind etwas mehr als hüftbreit auseinandergestellt und die Knie im 90°-Winkel gebeugt. Die Hände sind auf den Oberschenkeln abgestützt. Die Ellenbogen weisen nach außen. Im runden Gesicht treten die Augenbrauen als kräftige schwarze Bögen hervor. Zwischen ihnen ist in Rot eine Blüte gezeichnet. Sie steht für ein Chakra. Schriftzeichen führen von dort über den Nasenrücken bis zur Nasenspitze. Diese weist wie ein Pfeil auf den kleinen Mund. Von den mandelförmigen Augen mit den schwarzen Pupillen ziehen sich mehrere rote Linien zu den Wangen, wo sie sich mit anderen roten Linien vereinigen. Anstelle von Haaren verlaufen Schriftzeichen in zwei Reihen über den Kopf. Schwächer und stärker geschriebene Schriftzeichen erscheinen auch an anderen Stellen des Körpers, beispielsweise im Schulterbereich, um die Verdauungsorgane herum und an den Füßen. Sie markieren unter anderem das System der sechs Chakren. Kinnabwärts führt die Speiseröhre in den als ein vertikales Oval dargestellten Magen. Magen und Speiseröhre sind in Ockergelb gezeichnet. Der mit einer dicken grauen Linie umrandete Darm schlingt sich zum After. Über den gesamten Körper verlaufen dünne rote Linien, die sich verzweigen und verästeln. Unterhalb der Zeichnung des menschlichen Körpers sind mehrere mythische Tiere in einem Kreis dargestellt, zum Beispiel eine Schildkröte und eine Schlange. Diese Handschrift aus Westindien lässt sich zeitlich nicht endgültig einordnen. Für seine Anfertigung wird die Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert und 1900 vermutet. — — Anatomical Painting from India The colorful page from a manuscript is covered all over with characters in Sanskrit and Gujarati. The characters flow around the drawing of a human being. Within the body, thin red lines emerge. The depiction of the human being is in the centre of the page. The outline is executed in thin black lines. The upper body is erect. The feet are slightly more than hip-width apart and the knees are bent at a 90-degree angle. The hands are supported on the thighs. The elbows point outwards. In the round face, the eyebrows stand out as strong black arches. Between the eyebrows, a flower is drawn in red. It represents a chakra. There are characters that lead from the flower, along the nose bridge, to the tip of the nose, which resemble an arrow pointing toward a small mouth. Several red lines extend from the eyes across the cheeks, where they merge with other red lines. The eyes are almond-shaped with black pupils. Instead of hair, characters run in two rows across the head. Fainter and stronger written characters also appear elsewhere on the body, for example in the shoulder area, around the digestive organs and on the feet. Among other things, they mark the system of the six chakras. Down the chin, the oesophagus leads into the stomach, which is depicted as a vertical oval. The stomach and oesophagus are drawn in ochre yellow. The intestine, outlined with a thick grey line, loops towards the anus. Thin red lines run across the entire body which branch out and spread. Below the drawing of the human body, several mythical animals are depicted in a circle, for example, a turtle and a snake. This manuscript from West India cannot be definitively dated. It is assumed to have been made between the 18th century and 1900.
Marmorgrabstein eines griechischen Arztes Der graue aufrechtstehende Quader zeigt einen sitzenden Mann, neben dem ein nackter Junge steht. Der Stein ist 80 Zentimeter hoch, an der dicksten Stelle zirka 9 Zentimeter dick und 56 Zentimeter breit. Das Halbrelief ist nach oben durch einen Vorsprung und nach unten durch eine Stufe im Stein abgegrenzt. Das untere Viertel bedecken griechische Buchstaben in waagerecht verlaufenden Zeilen. Die beiden Figuren sind mittig auf der glatten Oberfläche platziert. Der Arzt links sitzt auf einem Hocker mit viereckiger Sitzfläche. Sein Gewand fällt in lockeren Falten bis auf die Knöchel. Sein Gesichtszüge sind nicht deutlich erkennbar. Das Gesicht des Mediziners ist dem Patienten zugewandt. Sein rechter Arm ist ausgestreckt, die Hand liegt auf dem etwas gewölbten Bauch des Jungen. Der steht aufrecht mit herabhängenden Armen. Einige Rippen zeichnen sich ab. Der Blick ist auf den Arzt gerichtet. Im Gesicht des Patienten sind Augen, Nase und Mund deutlich herausgearbeitet. Unter den kurzen Haaren treten die Ohren hervor. Rechts neben dem Jungen steht ein bauchiges Gefäß mit kuppelartigem Deckel. Es reicht ihm bis über das Knie. Es scheint auf einem runden Fuß zu stehen. Ein Henkel verläuft über der Kuppelspitze. Der Grabstein ist dem griechischen Arzt Jason gewidmet, der im 2. Jahrhundert nach Christus praktizierte. — — Marble Tombstone of a Greek Doctor The upright grey tombstone depicts a seated man with a naked boy standing next to him. The stone is 80 centimetres high, about 9 centimetres thick at its thickest point, and 56 centimetres wide. The half-relief is delimited at the top by an edge and at the bottom by a step in the stone. The lower quarter is covered by Greek letters in horizontal lines. The two figures are placed centrally on a smooth surface. The doctor on the left sits on a stool with a square seat. His robe falls in loose folds to his ankles. His facial features are not clearly visible. The doctor's face is turned towards the patient. His right arm is outstretched, his hand rests on the boy's somewhat bulging belly. The boy is standing upright with his arms hanging down. A few ribs are visible. His gaze is directed towards the doctor. In the patient's face, the eyes, nose, and mouth are clearly outlined. The ears protrude from under the short hair. To the right of the boy is a bulbous vessel with a dome-like lid. It reaches above the boy's knee. It seems to stand on a round foot. A handle runs over the top of the dome. The tombstone is dedicated to the Greek physician Jason, who practised in the 2nd century AD.
Douris zugeschriebener athenischer Becher mit roten Figuren Das Foto zeigt in einem bogenförmigen Ausschnitt die Bemalung eines Bechers. In Orange sind mehrere Figuren auf schwarzem Grund aufgebracht. Die Szene beschreibt wie die Bacchantinnen Pentheus, den Sohn von Echion und Agaue, zerreißen. Als Bacchantinnen bezeichnet man Anhängerinnen des römischen Weingottes Bacchus. Auf dem Becher erscheinen sie als vier Frauengestalten, deren schwarze Haare im Nacken zusammengefasst sind. Das Schwarz der Haare wird durch einen feinen hellen Umriss vom schwarzen Untergrund abgegrenzt. Eine der Frauen trägt ein Kopftuch, die anderen drei je ein schmales Band um den Kopf. Alle sind in lange tunikaartige Gewänder gehüllt. Schwarze dünne Striche markieren Muster im Stoff. Die Bacchantin ganz links trägt ein einfaches Obergewand, Himation, darüber. Ihre linke Schulter und der linke Arm sind nicht bedeckt. In der rechten Hand hält sie ein Messer. Die Frau rechts neben ihr umfasst ein Hemation mit beiden Händen auf Taillenhöhe vor dem Bauch. Ihr Blick ist auf die übrigen beiden Bacchantinnen gerichtet, die Pentheus' Oberkörper mit seinem Kopf zwischen sich halten. Von der Öffnung seines zerrissenen Oberkörpers hängen dünne haarähnliche Fäden herab, die das Verschütten von viszeralem Blut andeuten könnten. Die Frauen haben die seitlich ausgestreckten Arme mit jeweils einer Hand gepackt, mit der freien Hand greifen sie beide in sein lockiges schwarzes Haar. Die Frauen tragen hüftlange Umhänge über ihren Untergewändern. Im rechten Abschnitt zeichnet sich eine kniende nackte Männergestalt mit Vollbart ab, die abwehrend beide Hände hebt. Die Szene erscheint auf mehreren Gefäßen aus Athen. Der hier gezeigte Becher gilt als das am besten erhaltene Stück. Er wird dem griechischen Vasenmaler Douris zugeschrieben, der am Ende des 6. und im 5. Jahrhundert vor Christus in Athen arbeitete. Außer Vasen bemalte er auch Schalen mit roten Figuren. — — Athenian Cup with Red Figures Attributed to Douris The photo shows an arched section of a painting on a cup. Several figures are painted in orange on a black background. The scene depicts how the bacchantes tear apart Pentheus, the son of Echion and Agave. The bacchantes are followers of the Roman god of wine, Bacchus. On the cup, they appear as four female figures whose black hair is gathered at the nape of the neck. The black of the hair is delineated from the black background by a fine light outline. One of the women wears a headscarf, while the other three women each have a narrow band around the head. All are wrapped in long tunic-like robes. Thin black lines mark patterns in the fabric. The bacchante on the far left wears a simple outer garment and himation over it. Her left shoulder and arm are not covered. She holds a knife in her right hand. The woman to her right clasps a himation with both hands at waist level in front of her stomach. Her gaze is fixed on the remaining two bacchantes, who are holding Pentheus' torso with his head between them. Hanging from the opening of his torn torso are thin hair-like threads which might convey the spillage of visceral blood. The women have each gripped his arms stretched out to the side with one hand, and with their free hand, they both grasp his curly black hair. The women wear hip-length cloaks over their undergarments. In the section to the right, a kneeling naked male figure with a full beard stands out, raising both hands in a defensive manner. This scene appears on several vessels from Athens. The cup shown here is considered the best preserved piece. It is attributed to the Greek vase painter Douris, who worked in Athens at the end of the 6th and in the 5th century BC. In addition to vases, he also painted bowls with red figures.

Exploring the Inside of the Body
through Time and Space

This is a comparative exhibition about the human body, and in particular about one body part, the ‘guts’. For these purposes, ‘guts’ refers to everything found inside the lower torso, the organs and parts traditionally linked to nutrition and digestion, but also endowed with emotional, ethical, and metaphysical significance, depending on the representation and narrative.

By offering access to culturally, socially, historically, and sensorially different experiential contexts, Comparative Guts allows the visitor a glimpse into the variety and richness of embodied self-definition, human imagination about our (as well as animal) bodies’ physiology and functioning, our embodied exchange with the external world, and the religious significance of the way we are ‘made’ as living creatures. This dive into difference is simultaneously an enlightening illustration of what is common and shared among living beings.

The ‘guts’ are treated here in as neutral and universal a fashion as possible: not necessarily as functional parts of an organism or as a medical item, but as realities experienced in various ways. The most basic distinction is the sensed, volumetric one: solids for the fleshy organs (such as those referred to in English as the liver and the stomach), coils for the intestines and other parts endowed with complexity, folds, and fluidity, and wholes for the guts understood as part of a coherent whole, be it continuous or assembled.