Comparative Guts

Search
Close this search box.

Comparative
Guts

Bernardino Capitelli, Anatomische Sektion, ca. 1604-1639 — Die Schwarz-Weiß Radierung im Querformat ist eine Reproduktion und zeigt zwei Männer mit Messinstrumenten an einem Tisch. Darauf liegt eine Leiche. Der Tisch besteht aus einer Platte auf zwei niedrigen Böcken. Sie ist so lang wie die Leiche darauf. Die Leiche liegt auf dem Rücken. Ihr rechter Arm hängt über die Tischkante herab. Die Hand berührt den Boden. Der Bauchraum ist geöffnet. Er erscheint dunkel. Eine kleine brennende Kerze ist in den Brustkorb des Leichnams am unteren Ende des Brustbeins eingelassen. Hinter dem Kopfende des Tisches kniet einer der Männer. Mit der rechten Hand hat er sich auf einen Zirkel gestützt. Die Enden des Zirkels stehen auf dem Boden. Den linken Arm hat er in Richtung des anderen Mannes am Fußende des Tisches ausgestreckt. Sein Oberkörper scheint unbekleidet zu sein. Er trägt einen Schurz und einen flachen Hut mit breiter Krempe. Kopf und Hals des Mannes sind schwarz gezeichnet. Gesichtszüge sind nicht zu erkennen. Der Mann am Fußende sitzt auf einem Hocker. In seiner linken Hand hält er die Spitze eines Dreieckslineals, dass über seine Schulter ragt. Den rechten Arm hat er ausgestreckt. Die Hand befindet sich in der Bauchhöhle der Leiche. Der Mann trägt ein Oberteil mit gepolsterten Ärmelansätzen an den Oberarmen. Ein flacher Hut mit breiter Krempe beschattet Teile seines Gesichts. —— Bernardino Capitelli, Anatomical Dissection, ca. 1604-1639 — This black-and-white etching in landscape format is a copy and shows two men with measuring instruments at a table. A corpse is lying on it. The table is as long as the cadaver lying on it and consists of a plate on two low trestles. The corpse is lying on its back. Its right arm hangs down over the edge of the table and its hand is touching the floor. The abdominal cavity is open and appears dark. There is a small lit candle inserted into the corpse’s ribcage at the bottom of the sternum. Behind the head of the table, one of the men is kneeling. With his right hand, he has supported himself on a compass. The ends of the compass are on the floor. His left arm is stretched out towards the other man at the foot of the table. His upper body appears to be unclothed. He is wearing an apron and a flat hat with a wide brim. The man's head and neck are heavily etched in black. His facial features are not visible. The man at the foot of the table is sitting on a stool. In his left hand, he is holding the tip of a triangular ruler that is sticking out over his shoulder. His right arm is stretched out and his hand is in the corpse’s abdominal cavity. The man is wearing a top with padded sleeve attachments on the upper arms. A flat hat with a wide brim shades parts of his face.
Douris zugeschriebener athenischer Becher mit roten Figuren Das Foto zeigt in einem bogenförmigen Ausschnitt die Bemalung eines Bechers. In Orange sind mehrere Figuren auf schwarzem Grund aufgebracht. Die Szene beschreibt wie die Bacchantinnen Pentheus, den Sohn von Echion und Agaue, zerreißen. Als Bacchantinnen bezeichnet man Anhängerinnen des römischen Weingottes Bacchus. Auf dem Becher erscheinen sie als vier Frauengestalten, deren schwarze Haare im Nacken zusammengefasst sind. Das Schwarz der Haare wird durch einen feinen hellen Umriss vom schwarzen Untergrund abgegrenzt. Eine der Frauen trägt ein Kopftuch, die anderen drei je ein schmales Band um den Kopf. Alle sind in lange tunikaartige Gewänder gehüllt. Schwarze dünne Striche markieren Muster im Stoff. Die Bacchantin ganz links trägt ein einfaches Obergewand, Himation, darüber. Ihre linke Schulter und der linke Arm sind nicht bedeckt. In der rechten Hand hält sie ein Messer. Die Frau rechts neben ihr umfasst ein Hemation mit beiden Händen auf Taillenhöhe vor dem Bauch. Ihr Blick ist auf die übrigen beiden Bacchantinnen gerichtet, die Pentheus' Oberkörper mit seinem Kopf zwischen sich halten. Von der Öffnung seines zerrissenen Oberkörpers hängen dünne haarähnliche Fäden herab, die das Verschütten von viszeralem Blut andeuten könnten. Die Frauen haben die seitlich ausgestreckten Arme mit jeweils einer Hand gepackt, mit der freien Hand greifen sie beide in sein lockiges schwarzes Haar. Die Frauen tragen hüftlange Umhänge über ihren Untergewändern. Im rechten Abschnitt zeichnet sich eine kniende nackte Männergestalt mit Vollbart ab, die abwehrend beide Hände hebt. Die Szene erscheint auf mehreren Gefäßen aus Athen. Der hier gezeigte Becher gilt als das am besten erhaltene Stück. Er wird dem griechischen Vasenmaler Douris zugeschrieben, der am Ende des 6. und im 5. Jahrhundert vor Christus in Athen arbeitete. Außer Vasen bemalte er auch Schalen mit roten Figuren. — — Athenian Cup with Red Figures Attributed to Douris The photo shows an arched section of a painting on a cup. Several figures are painted in orange on a black background. The scene depicts how the bacchantes tear apart Pentheus, the son of Echion and Agave. The bacchantes are followers of the Roman god of wine, Bacchus. On the cup, they appear as four female figures whose black hair is gathered at the nape of the neck. The black of the hair is delineated from the black background by a fine light outline. One of the women wears a headscarf, while the other three women each have a narrow band around the head. All are wrapped in long tunic-like robes. Thin black lines mark patterns in the fabric. The bacchante on the far left wears a simple outer garment and himation over it. Her left shoulder and arm are not covered. She holds a knife in her right hand. The woman to her right clasps a himation with both hands at waist level in front of her stomach. Her gaze is fixed on the remaining two bacchantes, who are holding Pentheus' torso with his head between them. Hanging from the opening of his torn torso are thin hair-like threads which might convey the spillage of visceral blood. The women have each gripped his arms stretched out to the side with one hand, and with their free hand, they both grasp his curly black hair. The women wear hip-length cloaks over their undergarments. In the section to the right, a kneeling naked male figure with a full beard stands out, raising both hands in a defensive manner. This scene appears on several vessels from Athens. The cup shown here is considered the best preserved piece. It is attributed to the Greek vase painter Douris, who worked in Athens at the end of the 6th and in the 5th century BC. In addition to vases, he also painted bowls with red figures.
Rotfiguriger Terrakotta-Glockenkrater — Das Foto zeigt einen Ausschnitt eines oben offene glockenförmige Weinmisch-Gefäß aus Ton, der hat einen runden Fuß. Auf seinem schwarzen Korpus sind rötlich leuchtende Figuren dargestellt. Das Gefäß ist 32 Zentimeter hoch. Der bauchige Korpus steht auf dem kräftigen flachen Fuß. Er weitet sich nach oben und endet in einem auskragenden Rand. Sein Durchmesser beträgt 33 Zentimeter. Unterhalb der Auskragung sind zwei horizontale Henkel angebracht. Zwischen den Henkeln sind die Figuren platziert. Sie werden ober- und unterhalb der Szene von Ornamentbändern eingerahmt. Den Mittelpunkt der Szene bildet ein niedriger Altar. Er reicht bis zu den Knien der Figuren, die um ihn gruppiert sind. Auf dem Altar sind Holzscheite säuberlich aufgeschichtet. An den Scheiten verlaufen kurze weiße Striche schräg nach rechts oben. Sie könnten ein Feuer oder Bratengeruch andeuten. Hinter dem Altar befindet sich ein schlanker Baum mit wenigen länglichen Blättern. Um den Altar stehen drei barfüßige Männer, einer links und zwei rechts. Der Mann links ist mit einem locker um die Hüften geschlungenen Tuch bekleidet. Auf seinem dunklen lockigen Haar trägt er, wie die anderen Männer auch, einen Kranz. In der linken Hand hält er einen Stab, mit der rechten weist er zum Altar. Ihm gegenüber, rechts neben dem Altar, steht ein Mann mit einer Schale in den Händen. Auf der Schale liegt etwas Weißes. Auch er trägt ein lockeres Gewand um die Hüften. Rechts neben diesem Mann befindet sich ein weiterer. Dieser trägt ein fließendes Gewand, das bis zu den Knöcheln reicht und eine Schulter bedeckt. Zwei unbekleidete, ebenfalls barfüßige Männer mit Kränzen im Haar flankieren die drei. Sie tragen lange Spieße, um deren obere Enden vermutlich Eingeweide geschlungen sind. Diese Vase stammt aus dem späten 5. Jahrhundert v. Chr. Sie ist im Besitz des Metropolitan Museum of Art in New York, USA. —— Red-figure Terracotta Bell Krater — The open-topped, bell-shaped terracotta vessel with handles, is a wine-mixing vessel that has a round foot and is 32 centimetres high. The round-bodied vessel rests on a thick and flat base. It widens towards the top and ends in a projecting rim. Its diameter is 33 centimetres. Below the rim are two horizontal handles. On the black surface of the vessel, there is a scene with vibrant reddish figures depicted. The figures are placed between the handles. They are framed above and below the scene by ornamental bands. A low altar forms the centre of the scene. It reaches the knees of the figures grouped around it. Logs are neatly piled up on the altar. On the logs, short white lines run diagonally upwards to the right. They could convey a fire or the smell of roasting. Behind the altar is a slender tree with a few elongated leaves. Around the altar are three barefoot men, one on the left and two on the right. All three wear wreathes in their dark curly hair. The man on the left is dressed in a shawl loosely wrapped around his hips. In his left hand, he holds a staff and with his right, he points to the altar. Opposite him, to the right of the altar, stands a man with a bowl in his hands. On the bowl is something white. He too wears a loose robe around his hips. To the right of this second man is another. This one wears a flowing robe that reaches down to his ankles and covers one shoulder. Additionally, flanking the three men are two unclothed men who are also barefoot with wreaths in their hair. They carry long skewers, around the upper ends of which are probably entrails. This vase dates from the late 5th century B.C. It is in the possession of the Metropolitan Museum of Art in New York, USA.
Anatomische Malerei aus Indien Die farbig gestaltete Seite aus einem Manuskript ist über und über mit Schriftzeichen in Sanskrit und Gujarati bedeckt. Die Schriftzeichen umfließen die Zeichnung eines Menschen. Innerhalb seines Körpers treten dünne rote Linien hervor. Die Darstellung des Menschen steht im Zentrum des Blattes. Seine Umrisse sind in dünnen schwarzen Linien ausgeführt. Der Oberkörper ist aufgerichtet. Die Füße sind etwas mehr als hüftbreit auseinandergestellt und die Knie im 90°-Winkel gebeugt. Die Hände sind auf den Oberschenkeln abgestützt. Die Ellenbogen weisen nach außen. Im runden Gesicht treten die Augenbrauen als kräftige schwarze Bögen hervor. Zwischen ihnen ist in Rot eine Blüte gezeichnet. Sie steht für ein Chakra. Schriftzeichen führen von dort über den Nasenrücken bis zur Nasenspitze. Diese weist wie ein Pfeil auf den kleinen Mund. Von den mandelförmigen Augen mit den schwarzen Pupillen ziehen sich mehrere rote Linien zu den Wangen, wo sie sich mit anderen roten Linien vereinigen. Anstelle von Haaren verlaufen Schriftzeichen in zwei Reihen über den Kopf. Schwächer und stärker geschriebene Schriftzeichen erscheinen auch an anderen Stellen des Körpers, beispielsweise im Schulterbereich, um die Verdauungsorgane herum und an den Füßen. Sie markieren unter anderem das System der sechs Chakren. Kinnabwärts führt die Speiseröhre in den als ein vertikales Oval dargestellten Magen. Magen und Speiseröhre sind in Ockergelb gezeichnet. Der mit einer dicken grauen Linie umrandete Darm schlingt sich zum After. Über den gesamten Körper verlaufen dünne rote Linien, die sich verzweigen und verästeln. Unterhalb der Zeichnung des menschlichen Körpers sind mehrere mythische Tiere in einem Kreis dargestellt, zum Beispiel eine Schildkröte und eine Schlange. Diese Handschrift aus Westindien lässt sich zeitlich nicht endgültig einordnen. Für seine Anfertigung wird die Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert und 1900 vermutet. — — Anatomical Painting from India The colorful page from a manuscript is covered all over with characters in Sanskrit and Gujarati. The characters flow around the drawing of a human being. Within the body, thin red lines emerge. The depiction of the human being is in the centre of the page. The outline is executed in thin black lines. The upper body is erect. The feet are slightly more than hip-width apart and the knees are bent at a 90-degree angle. The hands are supported on the thighs. The elbows point outwards. In the round face, the eyebrows stand out as strong black arches. Between the eyebrows, a flower is drawn in red. It represents a chakra. There are characters that lead from the flower, along the nose bridge, to the tip of the nose, which resemble an arrow pointing toward a small mouth. Several red lines extend from the eyes across the cheeks, where they merge with other red lines. The eyes are almond-shaped with black pupils. Instead of hair, characters run in two rows across the head. Fainter and stronger written characters also appear elsewhere on the body, for example in the shoulder area, around the digestive organs and on the feet. Among other things, they mark the system of the six chakras. Down the chin, the oesophagus leads into the stomach, which is depicted as a vertical oval. The stomach and oesophagus are drawn in ochre yellow. The intestine, outlined with a thick grey line, loops towards the anus. Thin red lines run across the entire body which branch out and spread. Below the drawing of the human body, several mythical animals are depicted in a circle, for example, a turtle and a snake. This manuscript from West India cannot be definitively dated. It is assumed to have been made between the 18th century and 1900.

Exploring the Inside of the Body
through Time and Space

This is a comparative exhibition about the human body, and in particular about one body part, the ‘guts’. For these purposes, ‘guts’ refers to everything found inside the lower torso, the organs and parts traditionally linked to nutrition and digestion, but also endowed with emotional, ethical, and metaphysical significance, depending on the representation and narrative.

By offering access to culturally, socially, historically, and sensorially different experiential contexts, Comparative Guts allows the visitor a glimpse into the variety and richness of embodied self-definition, human imagination about our (as well as animal) bodies’ physiology and functioning, our embodied exchange with the external world, and the religious significance of the way we are ‘made’ as living creatures. This dive into difference is simultaneously an enlightening illustration of what is common and shared among living beings.

The ‘guts’ are treated here in as neutral and universal a fashion as possible: not necessarily as functional parts of an organism or as a medical item, but as realities experienced in various ways. The most basic distinction is the sensed, volumetric one: solids for the fleshy organs (such as those referred to in English as the liver and the stomach), coils for the intestines and other parts endowed with complexity, folds, and fluidity, and wholes for the guts understood as part of a coherent whole, be it continuous or assembled.