Comparative Guts

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Comparative
Guts

Milz und Magen Auf dem schmalen Hochformat sind am oberen Bildrand über einer Schwarz-Weiß-Zeichnung drei chinesische Schriftzeichen angebracht. Die Schriftzeichen lassen sich als Überschrift lesen. Sinngemäß übersetzt lautet sie: „Diagramm der Milz.“ Die Zeichnung in der unteren Bildhälfte stellt die Körpermitte mit Magen, Milz und Darm dar. Sie ist mit kräftigen schwarzen Strichen ausgeführt. Für den Magen steht eine Kreisform, deren Umriß auf zwölf Uhr unterbrochen ist. Dort setzen zwei kurze senkrechte Linien an. Im inneren des Kreises befindet sich das Schriftzeichen für „Magen“, darunter sind zwei leicht nach unten gewölbte Linien gezeichnet. Unterhalb des Magens schließt sich eine horizontal liegende sichelförmige Fläche an, die den Magen nahezu umschließt. Sie ist mit dem Schriftzeichen für „Milz“ versehen. Unterhalb der Milz befindet sich ein schalenförmiges Gebilde, welches für den Darm oder die Verdauung stehen könnte. Sein Umriß ist auf sechs Uhr unterbrochen. Zwei kurze Linien weisen von dort zum unteren Bildrand. In seinem Inneren sind links und rechts je zwei leicht nach unten gewölbte Linien angebracht. Der Magen erhält Nahrung, während die Milz für die Verdauung von Nahrung verantwortlich ist, so Aufzeichnungen aus dem Korea des frühen 17. Jahrhunderts. — — Spleen and Stomach The photo shows a black-and-white drawing in a narrow and portrait format. Three Chinese characters are at the top of the photo. The characters can be read as a heading. Translated meaningfully, it reads: "Diagram of the spleen." The drawing in the lower half of the picture represents the middle of the body with the stomach, spleen, and intestine. It is executed with bold black lines. The stomach is represented by a circular shape whose outline is interrupted at twelve o'clock. Two short vertical lines start there. Inside the circle is the character for “stomach,” below which two lines curving slightly downwards are depicted. Below the stomach is a horizontal crescent-shaped area that almost encloses the stomach. It is marked with the character for “sleep.” Below the spleen is a bowl-shaped structure, which could represent either the intestine or digestion. Its outline is interrupted at six o'clock. Two short lines point from there to the lower edge of the photo. Inside this bowl-shaped structure, there are two slightly downward curved lines depicted on the left side and the right side. According to the records from early 17th century Korea, the stomach receives nourishment while the spleen is responsible for digesting food.
Felszeichnung eines Rentiers mit Eingeweiden Auf dem Foto ist ein rot gezeichnetes Rentier auf grauem Fels abgebildet. Seine inneren Organe sind im hinteren Teil des Körpers angedeutet. Die Zeichnung des Tieres nimmt nahezu den gesamten Bildraum des Querformats ein. Von der länglichen Schnauze bis zur Schwanzspitze misst sie etwa 25 Zentimeter. Das Rentier ist in Seitenansicht dargestellt. Der erhobene nach vorn gereckte Kopf ragt in die linke Bildhälfte hinein. Daran sitzt das mächtige asymetrisch verzweigte Geweih. Es besteht aus zwei Geweihstangen. Eine weist nach vorn, die andere, mit etlichen Verzweigungen, in einem Bogen nach rechts in die Höhe bis fast zum oberen Rand des Fotos. Dem schmalen Kopf schließt sich ein langer kräftiger Hals an. Auch er ist, wie der Kopf, das Hinterteilund der kurze kräftige schwanz, vollständig rot ausgemalt. Im Brustbereich deuten sechs senkrechte rote Striche die Rippen an, durchbrochen vom Grau der dahinter befindlichen Felswand. Rechts daneben verweisen rote Farbflächen mit unregelmäßigen Rändern, verbunden mit waagrechten und senkrechten Linien auf die inneren Organe des Tiers. Der Vorderlauf ist mit einem durchgehenden roten Strich dargestellt, der sich zum Huf hin verjüngt. Der Huf selbst ist durch einen Kreis verdeutlicht. Beim Hinterlauf ist der sich zum Huf verjüngende Strich weitestgehend unterbrochen. Angedeutet ist sein Ansatz am Hinterleib und am Huf. Links oben auf dem Foto verweisen schräg verlaufende dunkle Linien auf Risse im Fels, ebenso an seinem rechten Rand. — — Rock Drawing of a Reindeer with Entrails The photo shows a red reindeer drawn on a grey rock. Its internal organs are indicated in the rear part of its body. The drawing of the reindeer takes up almost the entire space of the photo in horizontal format. It measures about 25 centimetres from the elongated snout to the tip of the tail. The reindeer is shown in a side view. The raised head is stretched forward and protrudes into the left half of the photo. The powerful asymmetrically branched antlers are attached to it. The reindeer has two antlers: one antler points forward; the other antler has several branches and curves upwards to the right and almost to the upper edge of the photo. The narrow head is joined by a long strong neck. Similar to the head, the rump and the short strong tail are completely painted in red. In the chest area, six vertical red lines indicate the ribs, broken by the grey of the rock face behind. To the right, red-coloured areas with irregular edges, connected by horizontal and vertical lines, indicate the reindeer’s internal organs. The foreleg is depicted with a continuous red line tapering towards the hoof. The hoof itself is indicated by a circle. On the hind leg, the line tapering towards the hoof is largely interrupted. Its base is indicated on the abdomen and on the hoof. At the top left of the photo, diagonal dark lines indicate cracks in the rock, likewise at its right edge.
Maske von Huwawa Die flache weißlich braune Maske aus gebranntem Ton zeigt ein Gesicht mit großen olivenförmigen Augen. Seine übrigen Flächen wie Wangen und Stirn sind mit dünnen spiralförmigen Wülsten, die in verschiedene Richtungen verlaufen, bedeckt. Die Tontafel misst in Länge und Breite etwa 8 Zentimeter. Ihr Umriß entspricht dem eines Kopfes mit seitlich abstehenden Ohren. Unterhalb des Kinns schließt sie mit einer Horizontalen ab. Die Maske ist auf die Vorderseite der Tafel modelliert. Ihre Augenpartie umrahmen Wülste, die unterhalb der Stirn senkrecht nach unten in das Nasenbein übergehen. Oberhalb des Nasenbeins, mittig zwischen den Augen, tritt eine pyramidenförmige Erhebung hervor. Unterhalb der Augen verläuft eine Wulst quer über den Nasenrücken. Die Wangen werden von senkrecht angebrachten Strukturen bedeckt. Wellenförmig verlaufende Schlingen unterhalb der Nase lassen an gefletschte Zähne denken. Das Kinn bilden wiederum horizontal verlaufende Wülste. Die Ohren erscheinen links und rechts als halbkreisförmige Auswölbungen auf Höhe der Augen. Am oberen Rand der Maske bilden kurze senkrecht liegende Wülste eine Art Ponyfrisur ab. An einigen Stellen, besonders oberhalb der Augen erscheint der Ton reflektierend glatt. Die Wülste, Schlingen und Spiralen stehen für Schafseingeweide, insbesondere Gedärme, die zu Zwecken der Vorhersage untersucht wurden. Entsprechend findet sich auf der Rückseite der Tontafel ein in fünf waagrecht verlaufenden Zeilen eingeritzter Omensatz in Keilschrift, der das vorherzusagende in Worte fasste. — — Mask of Huwawa The photo shows a flat whitish-brown mask made of fired clay in front of a black-coloured background. The mask shows a face with large olive-shaped eyes. Its other surfaces, such as the cheeks and forehead, are covered with thin spiralling ridges running in different directions. The clay tablet measures about 8 centimetres in length and width. Its outline corresponds to that of a head and ears protruding from the sides. It ends with a horizontal line below the chin. The mask is sculpted on the front of the tablet. The eye area is framed by bulges which merge vertically downwards into the nasal bone below the forehead. Above the nose bone and centrally between the eyes, a pyramid-shaped elevation emerges. Below the eyes, a bulge runs across the bridge of the nose. The cheeks are covered by vertically placed structures. Undulating loops below the nose suggest bared teeth. The chin is, again, formed by horizontal ridges. The ears appear on the left and right sides of the mask as semicircular bulges at the same level as the eyes. At the upper edge of the mask, short vertical ridges form a kind of fringe. In some places, especially above the eyes, the clay appears reflectively smooth. The bulges, loops and spirals represent sheep entrails, especially intestines, which were examined for predictive purposes. Accordingly, on the back of the clay tablet, there is an omen sentence carved in five horizontal lines in cuneiform writing, putting into words what was to be predicted.
Verstrickungen mit Torshi Nr. 2 — Das quadratische Gemälde zeigt vier hockende Frauen, die nur mit einem Slip bekleidet sind. Verbunden sind sie durch rosafarbene schlauchartige Gebilde. Das bild ist mit Öl und Torshi auf Leinen gemalt. „Torshi“ wird mit dem Saft von hausgemachten Torshi-Gurken hergestellt, die rosa-mauve Farbe für die Bemalung verwendet wird. Körperform, Hautton und Kleidung sind bei allen Frauenfiguren relativ identisch. Sie haben kräftige Oberschenkel, schmale Taillen, schlanke Arme und kleine Brüste. Die Haut aller Frauen ist hell creme-braun. Die Slips sind blau, weiße Linien bilden ein Rautenmuster darauf. Auch die Gesichter mit den breiten Augenbrauen, geraden Nasen und kleinen Mündern ähneln sich. Sie wirken maskenhaft. Rosa Schlauchgebilde ersetzen die Haare und teilweise die Köpfe. Die vier Frauenfiguren nehmen jede eine identische Fläche auf dem cremefarbenen Untergrund ein. Drei sind in Ecken platziert, die Frau links unten ist ein Stück weit in die Bildmitte gerückt. Sie hat dem Betrachtenden den Rücken zugekehrt, ihre Beine sind gespreizt. In beiden Händen hält sie zwei Stränge des schlauchartigen Gebildes an ihrem Hinterkopf. Die Frauen in der oberen Bildhälfte sind dem Betrachtenden zugewandt, auch ihre Beine sind gespreizt. Die Frau links sieht geradeaus. Sie hält einen Schlauch an ihrem Kopf fest und einen anderen vor sich. Die Frau rechts hält den Blick gesenkt. Die rosa Schlingen auf ihrem Kopf scheinen ihn niederzudrücken. In ihren Händen hält sie einen weiteren Schlauch der in Schlingen und Schlaufen zu dem Kopf der Frau in der rechten unteren Bildecke führt. Hockend hat sie Kopf und Schulter zwischen die Beine geklemmt. Aus ihren Händen läuft der Schlauch zum unteren Bildrand und aus dem Bild. ——Entanglements with Torshi No. 2 — The square painting shows four squatting women dressed only in panties. They are connected by pink tubular formations. The painting is done with oil and torshi on linen. “Torshi” is made with the juice of homemade torshi pickles, wherein the pink-mauve colour is used in the painting. The body shape, skin tone and clothing are relatively identical in all the female figures. They have strong thighs, narrow waists, slender arms and small breasts. All the women have light cream-brown skin. The panties are blue and white lines form a diamond pattern on them. Their faces all similarly have broad eyebrows, straight noses and small mouths. They look mask-like. Pink tube formations replace their hair and, partly, their heads. The four female figures each occupy an identical-sized area on the cream-coloured background. Three are placed in corners, and the woman at the bottom left has moved a little way into the centre of the picture. She has her back turned to the viewer and her legs are spread. In both hands, she holds two strands of the tube-like structure at the back of her head. The women in the upper half of the picture are facing the viewer, their legs are also spread. The woman on the left is looking straight ahead. She is holding one tube against her head and another in front of her. The woman on the right keeps her gaze lowered. The pink loops on her head seem to weigh her down. In her hands, she holds another hose that leads in loops and loops to the head of the woman in the lower right corner of the picture. Squatting, she has her head and shoulder clamped between her legs. From her hands the hose runs to the lower edge of the picture and out of frame.  

Exploring the Inside of the Body
through Time and Space

This is a comparative exhibition about the human body, and in particular about one body part, the ‘guts’. For these purposes, ‘guts’ refers to everything found inside the lower torso, the organs and parts traditionally linked to nutrition and digestion, but also endowed with emotional, ethical, and metaphysical significance, depending on the representation and narrative.

By offering access to culturally, socially, historically, and sensorially different experiential contexts, Comparative Guts allows the visitor a glimpse into the variety and richness of embodied self-definition, human imagination about our (as well as animal) bodies’ physiology and functioning, our embodied exchange with the external world, and the religious significance of the way we are ‘made’ as living creatures. This dive into difference is simultaneously an enlightening illustration of what is common and shared among living beings.

The ‘guts’ are treated here in as neutral and universal a fashion as possible: not necessarily as functional parts of an organism or as a medical item, but as realities experienced in various ways. The most basic distinction is the sensed, volumetric one: solids for the fleshy organs (such as those referred to in English as the liver and the stomach), coils for the intestines and other parts endowed with complexity, folds, and fluidity, and wholes for the guts understood as part of a coherent whole, be it continuous or assembled.