Comparative Guts

Search
Close this search box.

Comparative
Guts

Maske von Huwawa Die flache weißlich braune Maske aus gebranntem Ton zeigt ein Gesicht mit großen olivenförmigen Augen. Seine übrigen Flächen wie Wangen und Stirn sind mit dünnen spiralförmigen Wülsten, die in verschiedene Richtungen verlaufen, bedeckt. Die Tontafel misst in Länge und Breite etwa 8 Zentimeter. Ihr Umriß entspricht dem eines Kopfes mit seitlich abstehenden Ohren. Unterhalb des Kinns schließt sie mit einer Horizontalen ab. Die Maske ist auf die Vorderseite der Tafel modelliert. Ihre Augenpartie umrahmen Wülste, die unterhalb der Stirn senkrecht nach unten in das Nasenbein übergehen. Oberhalb des Nasenbeins, mittig zwischen den Augen, tritt eine pyramidenförmige Erhebung hervor. Unterhalb der Augen verläuft eine Wulst quer über den Nasenrücken. Die Wangen werden von senkrecht angebrachten Strukturen bedeckt. Wellenförmig verlaufende Schlingen unterhalb der Nase lassen an gefletschte Zähne denken. Das Kinn bilden wiederum horizontal verlaufende Wülste. Die Ohren erscheinen links und rechts als halbkreisförmige Auswölbungen auf Höhe der Augen. Am oberen Rand der Maske bilden kurze senkrecht liegende Wülste eine Art Ponyfrisur ab. An einigen Stellen, besonders oberhalb der Augen erscheint der Ton reflektierend glatt. Die Wülste, Schlingen und Spiralen stehen für Schafseingeweide, insbesondere Gedärme, die zu Zwecken der Vorhersage untersucht wurden. Entsprechend findet sich auf der Rückseite der Tontafel ein in fünf waagrecht verlaufenden Zeilen eingeritzter Omensatz in Keilschrift, der das vorherzusagende in Worte fasste. — — Mask of Huwawa The photo shows a flat whitish-brown mask made of fired clay in front of a black-coloured background. The mask shows a face with large olive-shaped eyes. Its other surfaces, such as the cheeks and forehead, are covered with thin spiralling ridges running in different directions. The clay tablet measures about 8 centimetres in length and width. Its outline corresponds to that of a head and ears protruding from the sides. It ends with a horizontal line below the chin. The mask is sculpted on the front of the tablet. The eye area is framed by bulges which merge vertically downwards into the nasal bone below the forehead. Above the nose bone and centrally between the eyes, a pyramid-shaped elevation emerges. Below the eyes, a bulge runs across the bridge of the nose. The cheeks are covered by vertically placed structures. Undulating loops below the nose suggest bared teeth. The chin is, again, formed by horizontal ridges. The ears appear on the left and right sides of the mask as semicircular bulges at the same level as the eyes. At the upper edge of the mask, short vertical ridges form a kind of fringe. In some places, especially above the eyes, the clay appears reflectively smooth. The bulges, loops and spirals represent sheep entrails, especially intestines, which were examined for predictive purposes. Accordingly, on the back of the clay tablet, there is an omen sentence carved in five horizontal lines in cuneiform writing, putting into words what was to be predicted.
Die Eingeweideräuberin — Die hochformatige Schwarz-Weiß-Zeichnung stellt zwei Frauen dar. Beide sind nahezu unbekleidet und tragen Fellstiefel, die bis über die Knie reichen. Ihre Haare, die Stiefel und die wenige Kleidung heben sich in Schwarz vom hellen Hintergrund ab. In der Mitte der Zeichnung ist eine weibliche Figur in dunklen Grautönen gezeichnet. Sie füllt die Bildfläche fast gänzlich aus. Ihr Oberkörper ist aufrecht und zeight einen voluminösen Bauch und kräftige Schultern. Ihr rechter Arm liegt angewinkelt über ihren entblößten Hängebrüsten. Mit der Hand umfasst sie das Heft eines Dolchs, dessen Klinge schräg nach oben gerichtet ist. Über ihrer linken Armbeuge liegt ein flaches ovales Gefäß mit kurzem Griff; den umschließt sie mit ihrer linken Hand. Sie hat ein rundes Gesicht mit breiten Wangenknochen und einer breiten Nase, ihre Augen treten sehr dunkel hervor. Ein diabolisches Grinsen gibt den Blick auf ihre große Zunge frei. Ihr Haar ist hochgebunden und sitzt auf dem Kopf. Um die Hüften trägt die Frau einen Lendenschurz mit Tierkopf, der über ihrer Scham sitzt. Die Schnauze des wolfsähnlichen Tierekopfes hat spitze, nach unten gerichtete Ohren. Die Frauengestalt steht breitbeinig mit gebeugten Knien. An den Füßen trägt sie die Fellstiefel. Vor ihr befindet sich ein weiteres Gefäß mit Stiel, das einer Pfanne ähnelt. In der Mitte zum rechten Rand der Zeichnung hin ist die zweite Frau dargestellt, die auf einer Bank sitzt, leicht nach hinten versetzt. Sie ist von schlanker Statur. Wie die andere Frau trägt sie Fellstiefel und einen Lendenschurz. Ihr rechter Arm hängt zur Seite herab. Gewellte dunkle Haare umrahmen ihr ovales Gesicht mit einem schmalen Mund. Die skizzenhafte Darstellung wird zum Teil von dem flachen ovalen Gefäß in der Armbeuge der anderen Frau verdeckt. Kârale Andreassen war ein grönländischer Maler, Zeichner und Katechet, der bis 1934 lebte. Andreassen war der Sohn eines Schamanen und wuchs mit grönländischen Traditionen und Legenden auf. —— The Entrail Snatcher — This portrait formatted black-and-white drawing depicts two women. Both are almost unclothed and wear fur boots that reach above their knees. Their hair, boots and few clothes stand out in black against a light background. In the centre of the drawing, a female figure is drawn in dark grey tones. She almost completely fills the entire surface of the drawing. Her upper body is upright and features a voluminous belly and strong shoulders. Her right arm is bent over her exposed pendulous breasts. With her hand, she grasps the hilt of a dagger, the blade pointing diagonally upwards. Above the crook of her left arm lies a flat oval vessel with a short handle; she clasps it in her left hand. She has a round face with broad cheekbones and a broad nose, her eyes are very dark. A diabolical grin reveals her large tongue. Her hair is tied up and sits atop her head. Around her hips, she wears a loincloth with an animal's head that lays over her pubic area. The muzzle of this wolf-like animal head has pointed ears that point downwards. The female figure stands wide-legged with bent knees. On her feet, she wears fur boots. In front of her is another vessel with a handle, which resembles a pan. In the centre towards the right edge of the drawing, the second woman is depicted sitting on a bench, slightly shifted backwards. She is of slender build. Similar to the other woman, she is wearing fur boots and a loincloth. Her right arm hangs down to the side. Wavy dark hair frames her oval face with a narrow mouth. The sketchy depiction is partially obscured by the flat oval vessel in the crook of the other woman's arm. Kârale Andreassen was a Greenlandic painter, draughtsman and catechist who lived until 1934. Andreassen was the son of a shaman and grew up with Greenlandic traditions and legends.
Das sezierte Pferd — Die horizontal ausgerichtete Bildrolle aus dem 15. Jahrhundert zeigt neben japanischen Schriftzeichen im linken Drittel eine Abfolge von Pferdedarstellungen. Die Farbigkeit orientiert sich an den fünf Wandlungsphasen bzw. fünf Elementen der chinesischen Medizin, wobei hier für die Farbe Grün Grau eingesetzt wurde. Gelesen wurden derartige Bildrollen von rechts nach links. So startet dieses Dokument auf der rechten Seite mit einem Schriftzeichen auf hellem Untergrund, dessen Farben Schwarz, Weiß, Gelb, Grau und Rot für die fünf Elemente stehen. Dem folgt nach links ein Turm, dessen Fuß ein gelbes Rechteck bildet, darüber befinden sich ein schwarzer Kreis, eine rote hutähnliche Form, eine weiße Schale und eine graue Kugelform. Jedes Element ist mit einem Schriftzeichen bezeichnet. Nach links schließen sich die Darstellung eines männlichen Kopfes mit dem Ansatz eines um die Schultern liegenden Gewandes und eine geöffnete Hand mit nach oben gerichteten Fingern an. Die meisten Leser aus ostasiatischen Ländern würden den Kopf des Mannes als Buddha erkennen. Dem folgen drei Zeichnungen von Pferden, beginnend mit einer Seitenansicht in Schwarz-Weiß. Die sich nach links anschließende Darstellung lässt den Betrachtenden von oben auf das Tier blicken. Hier sind innere Organe in den Farben der fünf Elemente markiert und mit Schriftzeichen versehen. Das letzte Drittel der Darstellung eines Pferdes zeigt wieder eine Seitenansicht. Diesmal, diese ist farbig ausgeführt, wiederum in den Farben Schwarz, Grau, Gelb, Weiß und Rot. Zwischen den farbigen Zeichnungen befindet sich eine Art Legende. In ihr sind jeweils drei Organe einer Farbe der fünf Elemente zugeordnet und beschriftet. Fünf dünne rote Linien durchziehen die bildlichen Darstellungen. Sie führen von den Farben im Schriftzeichen auf dem rechten Teil der Bildrolle über zentrale Punkte in allen Zeichnungen und enden in der farbigen Seitenansicht des Pferdes. Im linken Drittel der Bildrolle sind schwarze japanische Schriftzeichen in mehreren Spalten positioniert. Bildrollen konnten einige Meter lang sein. —— The Dissected Horse — This horizontally formatted scroll from the 15th century depicts Japanese characters in the left-third portion of the scroll, followed by a sequence of horse depictions. The colours are based on the five phases of change or five elements of Chinese medicine, whereby grey was used here in lieu of the colour green. Scrolls, such as this one, were read from right to left. Thus, this document begins on the right with a character on a light background, whose colours (black, white, yellow, grey, and red) stand for the five elements. This is followed to the left by a tower whose base forms a yellow rectangle, stacked above which are a black circle, a red hat-like shape, a white semi-circle, and a grey spherical shape. Each element of the tower is inscribed with a character. To the left of the tower is a depiction of a male head with the base of a robe around his shoulders and an open hand with fingers pointing upwards. Most readers of East Asian countries would recognize the man's head as the Buddha. This is followed by three drawings of horses. The first drawing depicts the side view of a horse in black and white. To its left, the next drawing depicts the horse from an above viewpoint. Here, internal organs are marked in the colours of the five elements and inscribed with characters. The final and third drawing depicts another side view of a horse. However, this time in colour (black, grey, yellow, white, and red). Between the coloured drawings is a kind of legend. In it, three organs in each colour of the five elements are assigned and labelled. Five thin red lines run throughout all the pictorial representations. The red lines lead from the colours in the character on the right portion of the scroll, through central points in all the drawings throughout the scroll and end in the final side view of the coloured horse. In the left-third portion of the scroll, black Japanese characters are positioned in several columns. Image scrolls could be several metres long.
Felszeichnung eines Rentiers mit Eingeweiden Auf dem Foto ist ein rot gezeichnetes Rentier auf grauem Fels abgebildet. Seine inneren Organe sind im hinteren Teil des Körpers angedeutet. Die Zeichnung des Tieres nimmt nahezu den gesamten Bildraum des Querformats ein. Von der länglichen Schnauze bis zur Schwanzspitze misst sie etwa 25 Zentimeter. Das Rentier ist in Seitenansicht dargestellt. Der erhobene nach vorn gereckte Kopf ragt in die linke Bildhälfte hinein. Daran sitzt das mächtige asymetrisch verzweigte Geweih. Es besteht aus zwei Geweihstangen. Eine weist nach vorn, die andere, mit etlichen Verzweigungen, in einem Bogen nach rechts in die Höhe bis fast zum oberen Rand des Fotos. Dem schmalen Kopf schließt sich ein langer kräftiger Hals an. Auch er ist, wie der Kopf, das Hinterteilund der kurze kräftige schwanz, vollständig rot ausgemalt. Im Brustbereich deuten sechs senkrechte rote Striche die Rippen an, durchbrochen vom Grau der dahinter befindlichen Felswand. Rechts daneben verweisen rote Farbflächen mit unregelmäßigen Rändern, verbunden mit waagrechten und senkrechten Linien auf die inneren Organe des Tiers. Der Vorderlauf ist mit einem durchgehenden roten Strich dargestellt, der sich zum Huf hin verjüngt. Der Huf selbst ist durch einen Kreis verdeutlicht. Beim Hinterlauf ist der sich zum Huf verjüngende Strich weitestgehend unterbrochen. Angedeutet ist sein Ansatz am Hinterleib und am Huf. Links oben auf dem Foto verweisen schräg verlaufende dunkle Linien auf Risse im Fels, ebenso an seinem rechten Rand. — — Rock Drawing of a Reindeer with Entrails The photo shows a red reindeer drawn on a grey rock. Its internal organs are indicated in the rear part of its body. The drawing of the reindeer takes up almost the entire space of the photo in horizontal format. It measures about 25 centimetres from the elongated snout to the tip of the tail. The reindeer is shown in a side view. The raised head is stretched forward and protrudes into the left half of the photo. The powerful asymmetrically branched antlers are attached to it. The reindeer has two antlers: one antler points forward; the other antler has several branches and curves upwards to the right and almost to the upper edge of the photo. The narrow head is joined by a long strong neck. Similar to the head, the rump and the short strong tail are completely painted in red. In the chest area, six vertical red lines indicate the ribs, broken by the grey of the rock face behind. To the right, red-coloured areas with irregular edges, connected by horizontal and vertical lines, indicate the reindeer’s internal organs. The foreleg is depicted with a continuous red line tapering towards the hoof. The hoof itself is indicated by a circle. On the hind leg, the line tapering towards the hoof is largely interrupted. Its base is indicated on the abdomen and on the hoof. At the top left of the photo, diagonal dark lines indicate cracks in the rock, likewise at its right edge.

Exploring the Inside of the Body
through Time and Space

This is a comparative exhibition about the human body, and in particular about one body part, the ‘guts’. For these purposes, ‘guts’ refers to everything found inside the lower torso, the organs and parts traditionally linked to nutrition and digestion, but also endowed with emotional, ethical, and metaphysical significance, depending on the representation and narrative.

By offering access to culturally, socially, historically, and sensorially different experiential contexts, Comparative Guts allows the visitor a glimpse into the variety and richness of embodied self-definition, human imagination about our (as well as animal) bodies’ physiology and functioning, our embodied exchange with the external world, and the religious significance of the way we are ‘made’ as living creatures. This dive into difference is simultaneously an enlightening illustration of what is common and shared among living beings.

The ‘guts’ are treated here in as neutral and universal a fashion as possible: not necessarily as functional parts of an organism or as a medical item, but as realities experienced in various ways. The most basic distinction is the sensed, volumetric one: solids for the fleshy organs (such as those referred to in English as the liver and the stomach), coils for the intestines and other parts endowed with complexity, folds, and fluidity, and wholes for the guts understood as part of a coherent whole, be it continuous or assembled.